Grundlagen Kompetenzorientierung

Kernbotschaft des kompetenzorientierten Unterrichts: Wissen, Können, Wollen

Die Bedingungen für das Arbeiten und Zusammenleben in unserer Gesellschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die Anforderungen sind komplexer und gleichzeitig ist das Tempo der Veränderungen schneller geworden. Diese Herausforderungen verlangen flexibles, eigenständiges und verantwortungsvolles Handeln.


Mit dem neuen Lehrplan 21 Kanton Schaffhausen wird den veränderten Bedingungen Rechnung getragen, indem der Fokus verstärkt auf das Können der Schülerinnen und Schüler gerichtet wird. Der Lehrplan 21 Kanton Schaffhausen soll sie unterstützen, systematisch Kompetenzen aufzubauen, um ihr Wissen und Können in neuen Situationen anwenden zu können. Kompetenzen werden dabei als Zusammenspiel von Wissen, Können und Wollen gesehen.
 

Reflexionsfragen

Die aufgeführten Reflexionsfragen fokussieren die Kompetenzorientierung innerhalb des Unterrichts und sind als freiwilliges Instrument und Hilfestellung zuhanden der Lehrpersonen und Schulen zu verstehen. 


Die einzelne Lehrperson oder die Schule kann in der Umsetzungsphase des Lehrplan 21 Kanton Schaffhausen Aspekte auswählen und daraus Ziele für die individuelle Weiterbildung, ein Schulprogramm oder einen Massnahmenplan ableiten.


Die Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ebenso ist es nicht möglich, alle Themen zu behandeln. Es handelt sich um eine Auslegeordnung. Die Wahl bleibt der einzelnen Lehrperson oder der Schule überlassen und muss auf die örtlichen Begebenheiten, die geplante Unterrichtsentwicklung und die schulinterne Weiterbildung abgestimmt sein.


Dass für die Durchführung eines wirksamen und nachhaltigen Unterrichts noch weitere Aspekte (Klassenführung, Pädagogische Grundhaltung, Elternzusammenarbeit, usw.) relevant sind, versteht sich von selbst.


Eine umfassendere Beschreibung der Qualitätsansprüche an einen zeitgemässen Unterricht findet sich in der überarbeiteten, kantonalen Broschüre "Merkmale für Unterrichtsqualität" (Fassung 2018).


Quelle: Die Reflexionsfragen basieren auf folgenden Grundlagen:
Joller-Graf, K. (2015). Wie Wissen wirksam wird: Merkmale eines kompetenzfördernden Unterrichts. Luzern: Entwicklungsschwerpunkt Kompetenzorientierter Unterricht, Pädagogische Hochschule Luzern
Sehrer, A. (2016): Fitness Check Lehrpersonen „Mein Lern- und Unterrichtsverständnis“. Pädagogische Hochschule Schaffhausen

Quelle Kernbotschaft: Informationsbroschüre "Lehrplan 21, Einführung und Umsetzung in Deutschfreiburg", der Direktion für Erziehung, Kultur und Sport EKSD, Freiburg

Authentische Anforderungssituation


  • Wähle ich fachlich und lebensweltlich bedeutsame, gehaltvolle Inhalte und Aufgaben?
  • Wird für die SuS sichtbar, wozu sie die angestrebten Ziele (Kompetenzen) im realen Leben gebrauchen können?
  • Wähle ich herausfordernde, aber nicht überfordernde Problemstellungen, die zum Denken und Handeln anregen?
  • Wecken die Aufgaben Motivation und Neugier?




Erfolgserlebnisse ermöglichen


  • Rege ich mit differenzierten Fragestellungen die Reflexion an?
  • Biete ich den SuS die Möglichkeit zur Selbstkontrolle?
  • Formuliere ich gegenüber den einzelnen SuS individuell angepasste Erwartungen, die auch in gemeinsamer Absprache miteinander getroffen werden können?
  • Habe ich eine wertschätzende, ermutigende, kritisch-konstruktive Feedback-Kultur aufgebaut?




Verknüpfung von Instruktion und Konstruktion


  • Ermöglichen die Aufgaben und Lernaufträge ein hohes Mass an aktiver Auseinandersetzung und selbstgesteuertem Lernen?
  • Greife ich im Unterricht verschiedene Lösungswege der SuS auf, erkläre und vergleiche diese konstruktiv und erläutere sie?
  • Unterstütze ich die Inhalte mit Bildern, Darstellungen und Übersichten?
  • Nutze ich „Fehlerbesprechungen“ als Ausgangslage für nächste Lernschritte?




Transparenz der Leistungserwartungen


  • Stelle ich klare Aufträge und werden die Anforderungen explizit genannt?
  • Werden mögliche Strategien um der Leistungserwartung zu entsprechen, vorbesprochen?
  • Halten die SuS individuelle und/oder die gemeinsamen Ziele fest (z.B. Lernjournal)?
  • Kennen die SuS und die Eltern die angestrebten Leistungserwartungen? Werden sie darüber mündlich oder schriftlich informiert?




Binnendifferenzierung und Individualisierung


  • Stelle ich unterschiedliche Aufgaben zur Verfügung, die auf unterschiedlichen Bearbeitungs- und Schwierigkeitsniveaus bearbeitet werden können?
  • Stelle ich verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, die der Binnendifferenzierung gerecht werden?
  • Sind Aufgaben so gewählt, dass verschiedene Lösungswege möglich sind?
  • Kann ich den Lernstand der einzelnen SuS einschätzen, um sicher zu gehen, dass die jeweils gesetzten Lernvoraussetzungen gegeben sind?




Kumulativer Kompetenzaufbau


  • Leite ich die SuS an, ihr individuelles Vorwissen, ihr aktuelles Verständnis, ihre Vorstellungen einzubringen (schreiben, zeichnen, im Gespräch)?
  • Sind die Aufgaben so gewählt, dass das Vorwissen angereichert und zu neuen Erkenntnissen führen wird?
  • Gestalte ich Lernumgebungen und Lerneinheiten, in denen Neues geübt und flexibel angewendet werden kann?
  • Erkennen meine SuS, welche Übungsaufgaben welchen Zielen dienen und wählen ihrem Lernstand entsprechende Aufgaben aus? Begleite ich sie auf diesem Weg?




Feedback


  • Führen meine SuS ein Lerntagebuch, Lernheft, Portfolio o.ä.?
  • Kennen meine SuS das Peerfeedback und können daraus Schlüsse ziehen?
  • Kommuniziere ich Ergebnisse von Beurteilungsprozessen kriterienorientiert und konkret sowie wertschätzend gegenüber den SuS?
  • Führe ich verschiedene Arten von summativen und formativen Lernkontrollen durch (schriftlich, mündlich, handelnd, produkteorientiert...)?




Erkenntnisse durch Reflexion


  • Leite ich die SuS zur Reflexion an, zum Beispiel kriterienorientiert?
  • Ermöglicht die Reflexion den SuS neue Erkenntnisse, um daraus weitere Lernschritte abzuleiten?
  • Ermöglicht die Reflexion den SuS Eigenverantwortung und Motivation fürs Lernen zu übernehmen?
  • Ist die Reflexion ein wichtiges Instrument in meinem Unterricht?





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